Ein Kontrabass für den solistischen Einsatz im Gewandhausorchester wird gesucht
Bereits drei Kontrabässe haben die Freunde des Gewandhauses »ihrem« Orchester ermöglicht. Warum also erneut ein Kontrabass?
Wie in den meisten Orchestern, so erhalten auch im Gewandhaus die Kontrabassisten ein sogenanntes Dienstinstrument zur Verfügung gestellt, denn ein solch großes, schweres und im öffentlichen Verkehr auch unhandliches Instrument kann nicht jeden Tag zum Dienst transportiert werden. Das Gewandhaus stellt deshalb für seine 16 Musiker der Bass-Gruppe – einschließlich einer ersten Kontrabassistin in der Geschichte des Gewandhausorchesters – 16 Dienstinstrumente bereit.
Die drei »Freunde-Bässe« gehören zum wertvollen Bestand des Instrumentariums. Dennoch liegt es im Interesse des Gewandhauses, den Bestand an Dienstinstrumenten weiter zu verbessern.
Die Kontrabässe der Freunde im Gewandhausorchester
2022 war es ein Instrument aus der Schule Neuner & Hornsteiner, das sich durch einen schönen warmen und vollen Klang sowie eine besondere Bauweise auszeichnet (s. Nachrichten Dezember 2022).
Henning Rasche spielt diesen wunderbaren Kontrabass, der damals relativ kurzfristig auf dem Markt zur Verfügung stand. Die Freunde haben dieses Instrument schnell ermöglicht. Bereits Jahre zuvor hatte die Kontrabass-Gruppe einen Neuner-Hornsteiner ausgesucht und war von der Qualität dieser Mittenwalder Instrumente überzeugt; sie stellen eine große Bereicherung für die Gruppe dar.
Der 2010 angeschaffte Bass ist ein modernes Instrument von Stefan Krattenmacher. Der Freiburger Kontrabassbauer zählt zu den bekanntesten und angesehensten unserer Zeit, seine Instrumente werden weltweit gespielt.
Es ist ein fünfsaitiger Bass mit typisch dunklem Klang, der als Nachbau bzw. in Anlehnung an ein historisches Vorbild gebaut wurde. Dieses Instrument ist besonders gut für die Klangvorstellung der Kontrabassgruppe des Gewandhausorchesters geeignet. Lange Zeit wurde es von Karsten Heins gespielt, jetzt steht der Kontrabass den Akademisten zur Verfügung, um sich mit diesem Instrument dem »Gewandhaus-Klang« nähern zu können.
Der erste Kontrabass, den die Freunde im Jahr 2000 dem Gewandhausorchester übergeben konnten, ist ein Instrument aus der Dresdner Hammig-Werkstatt. Er wurde derzeit für den 1. Solo-Kontrabassisten Christian Ockert erworben, der ihn bis heute spielt.
Karsten Heins, Solo-Kontrabassist seit 2008 und Mitglied im Orchestervorstand, blickt begeistert zurück: »In den vergangenen Jahren haben wir dank der Unterstützung der Freunde des Gewandhauses erhebliche Hilfe erfahren, um unseren Instrumentenbestand qualitativ weiterzuentwickeln.«
Wir Freunde schreiben die Bassgeschichte des Gewandhausorchesters weiter
Dabei liegt nun der Fokus auf einem Instrument, das gezielt für einen Solo-Kontrabassisten vorgesehen ist. Dafür gelten besondere Kriterien. Karsten Heins fasst das so zusammen:
»Das Instrument muss sich solistisch sowohl in kleineren als auch in großen Orchesterpassagen behaupten können. Beispielhaft seien hier das Solo in Verdis Rigoletto sowie das große Solo in Strawinskys Pulcinella genannt; beide Werke stehen in dieser Spielzeit auf dem Spielplan. In solchen Momenten muss der Kontrabass deutlich aus dem Orchester hervortreten können. Gleichzeitig soll der Bass den charakteristischen großen Gewandhaus-Klang erzeugen. Aus diesem Grund sind wir als Gruppe und Orchester zu der Überzeugung gelangt, dass hierfür fünfsaitige Instrumente besonders geeignet sind. Historische Vertreter aus der Zeit von Klotz, Neuner-Hornsteiner und Baader gelten dabei als besonders prägend. Solche Instrumente sind jedoch selten. Sie sind in der Regel groß und auf den ersten Blick unhandlich, weshalb nicht jedes hochwertige Instrument automatisch für den Orchesteralltag geeignet ist. Die wenigen Bässe, die Größe, Klangqualität und gute Spielbarkeit vereinen, sind inzwischen entsprechend hochpreisig. Zugleich wächst das Bewusstsein dafür, welche klanglichen Schätze diese Instrumente darstellen und wie maßgeblich sie die Qualität unseres Orchesters prägen können.«






